Polen
Erste Initiativen zur Entwicklung der Waldorfpädagogik in Polen wurden bereits in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts von Personen im Umfeld der Anthroposophie ergriffen.
In Warschau entstand wahrscheinlich im Jahre 1924 der erste Haus-Waldorfkindergarten, gegründet von der Künstlerin Jadwiga Siedlecka. Im Rahmen des feierlichen Kongresses der Polnischen Anthroposophischen Gesellschaft im Jahre 1929 fand ein fünftägiger pädagogischer Kurs für Lehrkräfte statt, der von Dozent*inn*en aus Stuttgart geleitet wurde. Das Ateneum-Theater in Warschau bot bei dieser Gelegenheit Marie Steiner mit einer Eurythmiegruppe aus Dornach eine Bühne. In den Jahren 1936–1938 bestand ein privater Waldorfkindergarten, und es war die Eröffnung einer Schule geplant. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sowie die langen Jahre der Nachkriegszeit verhinderten die weitere Entwicklung dieses Impulses. In verschiedenen polnischen Städten fand dennoch eine stille Studienarbeit an den Vorträgen Rudolf Steiners statt; aufgrund der politischen Lage hatte sie einen vollständig privaten Charakter.
In den Achtzigerjahren gab es in Polen immer mehr an Anthroposophie und ihren diversen Richtungen (Pädagogik, Heilpädagogik, Medizin, Biodynamischer Landwirtschaft und verschiedenen Kunstdisziplinen) interessierten Personen. Ihre Zusammenarbeit fand in kleinen Studiengruppen statt, auf diese Weise wurde die Grundlage zur Ausbreitung der Waldorfpädagogik geschaffen. Erfahrene Waldorflehrer*innen, Eurythmist*inn*en und Anthroposoph*inn*en wie z.B. Jacob Streit, Marco Ephraim, Joop und Annemieke van den Heuvel oder Ursula Ohlendorf waren zu Gast in Polen. Polnische Lehrer*innen dagegen fuhren zu Schulungen und Praktika nach Deutschland und in die Niederlande.
Die mit dem Runden Tisch einhergehende politische Wende 1989 ermöglichte in Polen einen freieren Umgang mit Waldorfpädagogik. Es bildeten sich erste Initiativen, die offene Schulungen, Konferenzen, Kurse zu Pädagogik und künstlerischer Betätigung organisierten, Stiftungen und später Vereine für Waldorfpädagogik gründeten. Erste Kindergärten und in weiterer Folge Schulen entstanden. 1992 nahm das Postgraduale Studium für Unabhängige Pädagogik an der Universität Warschau seine Arbeit auf, das beinahe 30 Jahre lang bestehen blieb und die Lehrkräfte für Waldorf- und sonstige Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft weiterbildete. Darüber hinaus nahm der Verband der Waldorfschulen und -kindergärten in Polen seine Tätigkeit auf, der bis auf den heutigen Tage Schulungen, Konferenzen und spezielle Kurse für Waldorfpädagog*inn*en koordiniert sowie mit polnischen Bildungsbehörden und internationalen Waldorforganisationen zusammenarbeitet. Wurden die Schulungen anfangs hauptsächlich von erfahrenen ausländischen Lehrkräften und Dozent*inn*en durchgeführt, wuchs der Anteil polnischer Kolleg*inn*en mit der Zeit und überwiegt jetzt bei weitem. An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, daß vorgenannte Aktivitäten nicht ohne finanzielle Unterstützung und Sachspenden aus Waldorfkreisen im Aus- und Inland möglich gewesen wären, von Eltern, pädagogischem Personal in Schulen und Kindergärten, von Stiftungen und anderen Organisationen sowie von Privatpersonen.
Momentan gibt es in Polen elf Waldorfkindergärten, die von etwa 300 Kindern besucht werden, sowie sieben Waldorfschulen in Warschau, Krakau, Bielsko-Biała und Posen mit ca. 980 Schüler*inne*n. Mehrheitlich sind die Einrichtungen im Verband der Waldorfschulen und -kindergärten in Polen zusammengeschlossen.
Kontakt
Website der polnischen Waldorfvereinigung: WWW.ZSPWP.PL
Unsere IAO-Vertreterin: AGNIESZKA KAKOL
E-Mail: AGNES.KAKOL@WP.PL
Telefon: +48509515791
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